Anajo Ultras: Tourstart 2010 im November, 1 Jahr ist nichts bei Euch passiert- zumindest für die Öffentlichkeit; ein Jahr nach der großen Poporchester-Show und dem wilden Touring. Was ist in diesem Jahr passiert?
Oliver Gottwald: Es ist total viel passiert; nach außen hat man das natürlich nicht so mitbekommen, aber intern ist total viel passiert. Wir haben eine neue Platte fertiggestellt, wir haben
Songs geschrieben, uns intern umstrukturiert und jetzt sind wir wieder da.
AU: Dieses Jahr Pause hatte aber nichts mit der anstrengenden Poporchester-Tour zu tun?
Michael Schmidt: Nein, das nicht. Wir brauchten einfach Zeit um die Songs zu schreiben, fertig zu machen und das Album aufzunehmen. Wenn man da immer wieder von Konzerten unterbrochen wird, bekommt man da nie Rhythmus rein. Deswegen haben wir gesagt: nein, keine Konzerte, jetzt zurückziehen.
AU: Ihr habt Euch zurückgezogen und wie Oli gerade angesprochen hat, umstrukturiert; Ihr habt Euch verstärkt. Ihr habt ein viertes, aktuell noch temporäres - wie das weitergeht, habt Ihr vor der Russland-Tour offen gelassen - neues Bandmitglied: Albrecht Schrader. Die große Frage dabei ist: War der beste Keyboarder der Welt, "Michi am Keyboard", nicht
mehr gut genug?
Michi: Das kann man so nicht sagen... Es ist natürlich jetzt schwer zu sagen, da Albrecht auch hier sitzt. Wir können nur sagen, wir müssen den besten Keyboarder des
Universums nehmen und da kann halt dann der beste der Welt nicht mithalten.
Oli: Man muss auch einfach Prioritäten setzen. Wir mussten uns entscheiden zwischen dem besten Keyboarder der Welt und dem besten Bassisten der Welt und wir haben
uns dann für den besten Bassisten der Welt entschieden.
AU: Michi achtelt sich dann also weiterhin durchs Leben.
Michi: Auch mit Fehlern wie am Keyboard...



AU: Ihr ward jetzt seit 2006 das zweitemal in Russland unterwegs. Das Goethe-Institut hatte Euch eingeladen zu 20 Jahren Deutsche Einheit. Ein kurzes Resümee:
Oli: Es war Wahnsinn! Wir haben ja 4 Konzerte gespielt, eins in Moskau, dann waren wir noch an der Wolga in Samara, Saratow und Jekaterinburg und grade das in Moskau war schon sehr überwältigend, muss man sagen. Es war ein Galaabend; wir waren da eingebettet in ein großes Galaprogramm. Es waren Ausstellungen, Theaterperformances, der
Botschafter war da. Dichter und Denker und wer weiß Gott alles. Es war unsere erste Show mit Albrecht zusammen, was es noch geiler gemacht hat und die Leute waren echt
nicht nur gut vorbereitet, die haben teilweise auch mitgesungen. Die waren richtig euphorisch. Am Schluss sind dann Deutschlandfahnen geweht worden - wirklich!
Michi: Das war schon ein wenig skurril. Wenn das in Deutschland passiert wäre, hätte man das vielleicht unterbunden oder was auch immer. Aber da ist das ja auch was ganz
anderes.
AU: 20 Jahre später quasi die legitimen Nachfolger von den Scorpions.
Oli: Ja, und deswegen haben wir auch im Siegespark von Saratow eine tolle Scorpions-Pose nachgestellt, zu sehen auf der Anajo Ultras-Seite. Wir sehen uns auch als legitime Nachfolger der Scorpions, in der Tat.
AU: Dies ist die direkte Überleitung zu Eurer neuen Single und auch Tour: Mädchenmusik - autobiografisch?
Oli: Durchaus! Sogar sehr autobiografisch. Was ja schon außergewöhnlich ist. Es ist sehr direkt, autobiografisch und es bezieht sich auf die ganze Band. Sowas haben wir bisher noch nicht gemacht.
AU: Ist es auch ein Befreiungsschlag gegenüber Euren Kritikern?
Oli: Es ist kein Befreiungsschlag, es ist ein Handkuss für die Kritiker; denn ohne diese Kritiker wären wir gar nicht auf den Text gekommen. Und gerade diese Kritik im Rolling Stone, die war ja vernichtend schlecht muss man sagen. War ganz toll geschrieben und dieser Satz: "Anajo klingen wie Weezer mit Süßstoff und Rolf Zuchovsky" ist ein unglaublich toller Satz. Wir haben das ja selbst teilweise schon zitiert, weil es eben ein so toller Satz ist.
AU: Jetzt eine kleine Mini-Tour zur Single - zur 7" eine kleine Tour, zur LP dann eine große im Frühjahr, wird sie groß?
Oli: Proportional zur Plattengröße würde ich sagen, ja, die wird groß.
AU: Habt Ihr schon genaue Pläne auch fürs Album?
Michi: Das Album wird im Februar veröffentlicht. Genaues Datum wissen wir noch nicht und dann wird im März getourt. Es gibt auch schon Daten, im Kopf sind die allerdings noch nicht angekommen, wann genau, wo, was...
Oli: Im Zweifel kann man die Daten als erstes immer auf der Anajo Ultras-Seite lesen.
Michi: Die wissen immer mehr und früher als wir selbst.
AU: Vielen Dank für das Interview und ein schönes Konzert!